Deutsche Schiffbauindustrie: Wie sie vom Erfolg Asiens profitiert
Asien baut die meisten Schiffe – doch die deutsche Schiffbauindustrie profitiert von jedem dieser Aufträge. Der Grund: Ein Schiffsrumpf macht nur einen kleinen Teil der Wertschöpfung aus. Rund 80 % des Wertes stecken in den hochwertigen Komponenten, und hier ist Deutschland Marktführer. Warum die deutsche Spezialisierung auf Innovation die klügere Strategie ist – und was das für den Fachkräftebedarf bedeutet.
Inhaltsverzeichnis
- Deutsche Schiffbauindustrie: Wie sie vom Erfolg Asiens profitiert
- Welche Auswirkungen hat der Erfolg Asiens auf die deutsche Schiffbauindustrie?
- Welches Risiko tragen die asiatischen Länder?
- Warum geht Deutschland einen anderen Weg?
- Wo entsteht der eigentliche Wert eines Schiffes?
- Welche Komponenten liefert Deutschland?
- Wie unterscheiden sich die Profitmargen?
- Warum ist die Beziehung zwischen Deutschland und Asien symbiotisch?
- Warum ist der deutsche Fokus auf Innovation richtig?
- Wie sieht die Zukunft der deutschen Schiffbauindustrie aus?
- Welche Fachkräfte braucht die deutsche Schiffbauindustrie?
- Fachkräfte für den Schiffbau aus Osteuropa anfragen
- Häufige Fragen
Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten
Welche Auswirkungen hat der Erfolg Asiens auf die deutsche Schiffbauindustrie?
Auf den Punkt gebracht sind die asiatischen Länder Südkorea, Japan und China Marktführer im Schiffbau, weil es deren Politik so möchte. Dafür unterstützen die Regierungen der drei Länder die Auftraggeber beim Bau der Schiffe, indem sie einen Teil oder sogar das gesamte finanzielle Risiko übernehmen.
Wie diese staatlich getriebene Industriepolitik in Japan, Südkorea und China entstanden ist, beleuchtet der Beitrag Yacht Support Schiffe: Spezialisierte Begleitschiffe und ihr Fachkräftebedarf.
Welches Risiko tragen die asiatischen Länder?
Während dies wie ein Erfolgsmodell anmutet, zumindest auf den ersten Blick, kommt es doch mit einem erheblichen Risiko für die Länder. Dieses ergibt sich durch die Co-Finanzierung der Kredite.
Warum geht Deutschland einen anderen Weg?
Deutschland geht einen anderen Weg: Heutzutage ist ein Schiff nicht einfach ein Schiff. Es besteht aus vielen Komponenten, die alle erheblich zur Wertschöpfung beitragen. Tatsächlich ist der Zusammenbau des Schiffes der Teil, der den geringsten Profit bringt. Es sind die teuren Anlagen und Systeme, die für sich genommen viel mehr Wertschöpfung ermöglichen.
Aus dem Blickwinkel des internationalen Schiffbaus bedeutet dies, dass Deutschland viele der teuren und hochwertigen Komponenten liefert. Diese werden dann in die Schiffe, deren Hüllen in Asien entstehen, integriert. Damit tragen die asiatischen Länder das Risiko, während Deutschland bzw. die deutsche Industrie von deren Schiffbau profitiert und weder die deutsche Industrie noch der deutsche Staat als Co-Financier auftritt.
Wo entsteht der eigentliche Wert eines Schiffes?
Die asiatischen Schiffswerften konzentrieren sich darauf, eine große Menge Stahl in einen Rumpf und Aufbauten zu verwandeln. Diese schwimmenden Boxen bilden 80 % bis 90 % der Struktur der Schiffe.
Der Wert der Schiffe kommt jedoch zu rund 80 % aus den eingebauten Komponenten. Diese bilden komplexe mechanische und elektrische Systeme. Sie bedingen hochqualifizierte Ingenieurskunst, Jahrzehnte der Erfahrung und einen Zugang zu extremer Hochtechnologie. Diese Komponenten sind es, die die Schiffe erst zu einem Gesamtsystem machen, das seine Arbeit verrichten kann. Wenn es um die Fertigung dieser Komponenten geht, ist Deutschland der Markführer. Hierzulande entstehen:
Marinediesel
Zum Beispiel von MAN und MTU
Antriebssysteme
Zum Beispiel NMG-Propeller
Systeme für die Automation, Navigation und Kontrolle
Steuerung aller elektronischen Anlagen an Bord
Hilfsantriebe & Hilfsmaschinen
Turbos, Aggregate und Zusatzsysteme
Welche Komponenten liefert Deutschland?
Ein einziger Marinediesel kann bis zu 50 Millionen Dollar kosten und dabei ein Viertel des Gesamtwertes eines Schiffes darstellen. Ein Propeller mag in der Herstellung 1,2 Millionen Euro kosten und dann auf dem Markt 3 Millionen Euro bringen. Das ist mehr als eine Verdopplung seines Wertes.
Wie unterscheiden sich die Profitmargen?
Asiatische Werften arbeiten mit Profitmargen, die sehr klein sind und mitunter noch weniger als 10 % betragen. Deutsche Technologien dagegen kommen mit weit höheren Profitanteilen, die oft 20 % und mehr übersteigen. Dabei brauchen die deutschen Unternehmen keine massiven Werften zu betreiben. Sie konzentrieren sich darauf, was sie am besten können: Sie entwickeln Innovationen und technische Expertise, die dann die anderen Nationen für den Schiffbau benötigen.
Warum ist die Beziehung zwischen Deutschland und Asien symbiotisch?
Für den globalen Schiffbau ergeben sich damit symbiotische Beziehungen. Die asiatischen Schiffswerften profitieren davon, dass sie tausende von Schiffen effizient bauen können. Das heißt, sie profitieren von den sogenannten Skaleneffekten.
Auf der anderen Seite liefert die deutsche Schiffbauindustrie die fortgeschrittenen Komponenten, die den Schiffen erst ihr Leben und ihre Leistung geben. So profitiert die deutsche Industrie von jeder Bestellung in Asien.
Für beide Seiten bedeutet dies, dass sie sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können. Für Asien ist dies die Fertigung von Massen an Stahl und den Schiffsrümpfen selbst. Für Deutschland ist dies die Innovation und die Versorgung mit modernen Anlagen und Systemen.
Warum ist der deutsche Fokus auf Innovation richtig?
Der deutsche Fokus auf die Innovation ist richtig. Es macht keinen Sinn für Deutschland, sich mit den Werften in Asien auf dem Gebiet messen zu wollen, welches diese so effektiv beherrschen, der Massenproduktion von Stahl und Schiffsrümpfen. Es macht auch wenig Sinn, wie die asiatischen Staaten die Risiken der Auftraggeber von Schiffsbauten zu übernehmen.
Stattdessen macht es auch weiterhin Sinn, in die Entwicklung von Technologien und Fähigkeiten zu investieren. Die sich daraus ergebenden Resultate dienen dazu, die deutsche Schiffbauindustrie als Zulieferer auf dem globalen Markt aufzustellen. Dort sind ihre Komponenten unersetzbar, sodass Deutschland von all den Schiffen, die in Asien entstehen und die Welt befahren, auch weiterhin profitiert. Die Schiffe müssend dafür nicht in Deutschland hergestellt werden.
Wie sieht die Zukunft der deutschen Schiffbauindustrie aus?
Die Zukunft des Schiffbaus in Deutschland hängt davon ab wie die Politik, die Wirtschaft und die Forschung zusammenarbeiten. Eine klare maritime Strategie mit gezielter Förderung des Schiffbaus in Zusammenarbeit mit der europäischen Schiffbaupolitik erlaubt Deutschland, im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Während es so aussieht, dass Länder wie Südkorea, Japan und China mit ihrer dortigen Politik den weltweiten Schiffbau beherrschen, liefern sie doch meist nur den Stahl und die Hüllen. Es sind die hochtechnologischen Komponenten, die auch aus Deutschland stammen, die aus diesen Hüllen funktionierende Schiffe machen. Damit profitiert Deutschland als Zulieferer und hat sich erfolgreich als Marktführer für hochtechnologische Anlagen und Systeme etabliert.
Welche Fachkräfte braucht die deutsche Schiffbauindustrie?
Die deutsche Stärke – hochwertige Komponenten, Innovation und Präzision – steht und fällt mit qualifizierten Fachkräften. Genau in der Fertigung von Marinediesel, Antriebssystemen, Automations- und Navigationselektronik sind erfahrene Hände gefragt. Wo der heimische Arbeitsmarkt nicht ausreicht, bringen Fachkräfte aus Osteuropa solides Handwerk und wachsende Erfahrung in modernen Produktionsumgebungen mit.
Schweißer & CNC-Bediener
Präzisionsfertigung von Komponenten und Baugruppen
Mechaniker & Industriemechaniker
Montage von Antriebssystemen, Motoren und Hilfsaggregaten
Elektriker & Elektroniker
Automations-, Navigations- und Steuerungssysteme
Zerspanungsmechaniker
Fertigung von Propellern, Wellen und Präzisionsteilen
Qualitätssicherer & Prüftechniker
Kontrolle hochwertiger Komponenten nach engen Toleranzen
Fachkräfte für den Schiffbau aus Osteuropa anfragen
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Häufige Fragen
Warum profitiert Deutschland, obwohl die meisten Schiffe in Asien gebaut werden?
Ein Schiffsrumpf macht zwar 80 % bis 90 % der Struktur aus, aber nur einen kleinen Teil der Wertschöpfung. Rund 80 % des Schiffswertes stecken in den eingebauten Komponenten – und bei diesen ist Deutschland Marktführer. So profitiert die deutsche Industrie von jedem Auftrag in Asien.
Welche hochwertigen Komponenten liefert Deutschland?
Dazu zählen Marinediesel (etwa von MAN und MTU), Antriebssysteme wie NMG-Propeller, Systeme für Automation, Navigation und Kontrolle der Elektronik sowie Hilfsantriebe, Hilfsmaschinen und Turbos.
Wie wertvoll sind diese Komponenten?
Ein einziger Marinediesel kann bis zu 50 Millionen Dollar kosten und damit ein Viertel des Schiffswerts ausmachen. Ein Propeller kostet in der Herstellung rund 1,2 Millionen Euro und erzielt am Markt bis zu 3 Millionen Euro – mehr als eine Verdopplung des Werts.
Warum sind die deutschen Profitmargen höher als die asiatischen?
Asiatische Werften arbeiten mit Margen von teils unter 10 %, während deutsche Technologieanbieter oft über 20 % erreichen. Deutschland konzentriert sich auf Innovation und technische Expertise statt auf den kapitalintensiven Betrieb großer Werften.
Warum ist die Spezialisierung auf Komponenten die richtige Strategie?
Es ergibt für Deutschland wenig Sinn, mit Asien in der Massenproduktion von Stahl und Rümpfen zu konkurrieren oder die Finanzierungsrisiken der Auftraggeber zu übernehmen. Als Zulieferer unersetzbarer Hochtechnologie profitiert Deutschland dagegen von allen weltweit fahrenden Schiffen – ganz gleich, wo sie gebaut werden.
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