Asiatischer Schiffbau: Die Politik hinter dem Erfolg
Asien dominiert den weltweiten Schiffbau – doch niedrige Löhne sind nur die halbe Wahrheit. Der eigentliche Motor ist die Politik: staatliche Kreditgarantien, gezielte Subventionen und eine über Jahrzehnte koordinierte Industriepolitik. Ein Blick auf die Geschichte Japans, Südkoreas und Chinas – und darauf, warum der Kaufprozess der Schlüssel zum Erfolg ist.
Inhaltsverzeichnis
- Asiatischer Schiffbau: Die Politik hinter dem Erfolg
- Die Politik hinter dem Erfolg des asiatischen Schiffbaus
- Welche Risiken sind mit dem Schiffkauf verbunden?
- Warum ist die Führungsrolle Asiens kein Zufall?
- Wie wurde Japan zur Schiffbaunation?
- Welche Rolle spielte der Koreakrieg?
- Wie entstand der Kreislauf aus Kosten und Exporten?
- Wie kopierten Südkorea und China das Modell?
- Warum ist der Kaufprozess der wichtigste Hebel der Politik?
- Wie funktioniert das staatliche Kreditsystem?
- Was bedeutet das für den europäischen Schiffbau und seine Fachkräfte?
- Fachkräfte für den Schiffbau aus Osteuropa anfragen
- Häufige Fragen
Geschätzte Lesedauer: 9 Minuten
Die Politik hinter dem Erfolg des asiatischen Schiffbaus
Der Schiffbau hat ein Ziel: Schiffe zu bauen und zu verkaufen. In anderen Worten, der Kauf bzw. die Bestellung eines Schiffes ist es, welche den Schiffbau antreibt. Bei diesem in der Theorie so einfachen Akt spielen jedoch viele Faktoren eine Rolle. Dies ist kein Wunder, wenn man die Umstände bedenkt. Da sind die hohen Preise, Versicherungen, Anforderungen, gesetzliche Vorschriften und die Ansprüche, die der Betrieb an das Schiff stellt.
Welche Risiken sind mit dem Schiffkauf verbunden?
In anderen Worten, niemand möchte ein millionenteures Schiff kaufen, dass dann bei der ersten Welle zerbricht. Während diese Umstände, die mit dem Bau eines Schiffes verbunden sind, den in der Theorie so einfachen Prozess in der Praxis verkomplizieren, ist die Politik in der Lage, hier einzugreifen. Richtig vorgegangen kann sie zumindest eine Reihe der Risiken und Probleme, die mit dem Schiffkauf und damit dem Schiffbau verbunden sind, übernehmen oder zumindest deren Auswirkungen abfedern.
Warum ist die Führungsrolle Asiens kein Zufall?
Im Fall der asiatischen Länder, die heute den Schiffbau weltweit anführen, ist diese Führungsrolle keineswegs ein Zufall. Stattdessen ist sie die Folge eines sorgfältigen, politisch angetriebenen Prozesses, dessen Ergebnisse sich heute zeigen. Dabei spielen die Strategien der Regierungen sowie die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, den Banken und der Politik eine herausragende Rolle.
Von den 1990er Jahren an haben die Regierungen in Asien aktiv in die Schiffbauplanung und -kapazität der Industrien vor Ort eingegriffen. Sie folgten dabei einer weitreichenden industriellen und geopolitischen Strategie.
Wie wurde Japan zur Schiffbaunation?
Im Fall von Japan beruhte diese Strategie auf einem einfachen Ansatz. Vor und während des Zweiten Weltkrieges war Japan weder eine komplett industrialisierte Nation noch wurden Anstrengungen zu mehr Industrialisierung betrieben. Das lag unter anderem auch an einem stetigen Konkurrenzkampf zwischen den Seestreitkräften und den Landstreitkräften, die zu einer Zersplitterung der Anstrengungen und der Unternehmen führten. Das Resultat war, dass Produktionen oft in Handarbeit erfolgten und dementsprechend aufwendig und langsam waren.
Während des Zweiten Weltkrieges verheerten die amerikanischen Anstrengungen die japanische Handels- und Kriegsmarine sowie das gesamte japanische Heimatland. Die Industrie, die auf Importe angewiesen war, lag am Boden. Die Handels- und Kriegsmarinen waren größtenteils versenkt. Was konnte nun geschehen?
Welche Rolle spielte der Koreakrieg?
Aus der Sicht der USA war es wichtig, einer kommunistischen Machtergreifung vorzubeugen, indem das Land eine kapitalistische Entwicklung des Marktes und der Industrie dahinter vorantrieb. Mit dem Koreakrieg führte dies zu einer gezielten Nutzung der japanischen Werften für die Reparatur der Schiffe, die in diesem Krieg beschädigt wurden. Das gab dem japanischen Schiffbau Geld, es brachte ihm Erfahrung und die Entwicklung neuer Fertigkeiten und dies zusammen beschleunigte die Entwicklung hin zu einem modernen und leistungsfähigen Industriezweig.
Wie entstand der Kreislauf aus Kosten und Exporten?
Diese politisch gewollte Unterstützung gab der japanischen Schiffbauindustrie eine gute Startposition. Die Regierung unterstützte dies noch durch direkte Finanzierungsprojekte und Hilfen beim Export. Das brachte einen Kreislauf in Gang, bei dem geringe Kosten mehr Exporte bringen, mehr Exporte mehr technische Kapazitäten entwickeln, was dann zu geringeren Kosten führt die dann wieder mehr Exporte bewirken usw.
Wie kopierten Südkorea und China das Modell?
Bis heute dominiert dieses Modell im asiatischen Schiffbau. Südkorea und China kopierten das Modell mit hohen staatlichen Subventionen in die Industrie. Dazu kommt die Gründung von staatlich kontrollierten oder mit dem Staat verbundenen Konglomeraten, wie Hyundai Heavy Industries und Hanwha Ocean. Diese sind darauf ausgelegt, der Regierung die Kontrolle über diesen Bereich der Wirtschaft zu erhalten.
Während heute die geringen Lohnkosten als Erklärung für den Erfolg des Schiffbaus in Asien dienen, war es jedoch der politische Wille und die Strategien der Regierungen, die diesen bewirkten. Für die betroffenen Nationen ging es dabei um lebenswichtige Fragen, wie den internationalen Handel, Arbeitsplätze für die Bevölkerung und die Fähigkeit, sich selbst auf See zu verteidigen.
Warum ist der Kaufprozess der wichtigste Hebel der Politik?
Der wichtigste Bereich, in welchem die Politik heute der Industrie hilft, ist beim Kaufprozess der Schiffe. Ohne Kauf gibt es keine Industrie. Niemand baut Schiffe, um diese daheim zur Schau zu stellen. Stattdessen kommt es auf einen Prozess an, der den Kauf bzw. den Auftrag für den Bau eines Schiffes für den Auftraggeber so einfach wie möglich macht. Um dies zu erreichen, bietet die Regierung Japans Garantieren für die Finanzierung der Schiffe. Damit wird das Risiko des Baus eines Schiffes auf den japanischen Staat verlagert.
Das japanische Modell baut auf den Dollarreserven des Landes auf, die von der Regierung gehalten werden. Damit sichert die Regierung Kredite mit geringen Zinsraten und Garantien für finanzielle Entschädigungen ab. Das macht den Kauf bzw. den Auftrag für ein Schiff in Japan sehr viel attraktiver, denn nun tritt der Staat als Co-Kreditnehmer auf.
Wie funktioniert das staatliche Kreditsystem?
Diese Garantien der japanischen Regierungen sind essenziell. Der Kauf bzw. die Bestellung eines Schiffes ist ein teures Unterfangen und als Investition mit einem erheblichen Risiko behaftet. Private Banken verleihen normalerweise keine hunderte von Millionen Euros oder Dollars, ohne dass es dafür staatliche Sicherheitsgarantien gibt.
Japan hat dieses Problem aus seiner Sicht gelöst, indem es politische Institutionen nutzt, um das finanzielle Risiko abzufedern. Das heißt, das politisch ermöglichte Kreditsystem ist der wichtigste Grund für die Stellung Japans als Marktführer im Schiffbau.
Im Fall von Südkorea und China setzen beide Staaten genau die gleichen Prinzipien ein: Staatliche Banken garantieren die Kredite und übernehmen so zumindest teilweise das Risiko der Bestellung eines Schiffes.
Was bedeutet das für den europäischen Schiffbau und seine Fachkräfte?
Während Asien über staatliche Finanzierung und Massenfertigung punktet, liegt die Stärke des europäischen Schiffbaus in Spezialisierung, Innovation und Qualität. Diese Stärke steht und fällt mit qualifizierten Fachkräften – und genau hier lohnt der Blick nach Osteuropa. Erfahrene Fachkräfte aus Polen, Tschechien und Rumänien schließen Personallücken und bringen solides Handwerk in moderne, digitalisierte Produktionsumgebungen ein.
Schweißer & CNC-Bediener
Präzisionsarbeit im Spezial- und Komponentenbau
Elektriker & Elektroniker
Steuerungs-, Sicherheits- und Navigationstechnik
Mechaniker & Industriemechaniker
Antriebs- und Energiesysteme
Rohrbauer & Rohrleitungsbauer
Versorgungs- und Kraftstoffsysteme
Schiffbauer & Stahlbauer
Rumpf- und Sektionsbau, Strukturarbeiten
Fachkräfte für den Schiffbau aus Osteuropa anfragen
Sie wollen im internationalen Wettbewerb mit Innovation und Qualität punkten und brauchen dafür die passenden Fachkräfte? Wir vermitteln erfahrene Schweißer, Elektriker, Mechaniker und Schiffbauer aus Polen, Tschechien, Rumänien und weiteren EU-Ländern – schnell, rechtssicher und mit den richtigen Qualifikationen.
Häufige Fragen
Warum dominiert Asien den weltweiten Schiffbau?
Ausschlaggebend sind nicht nur niedrige Löhne, sondern vor allem der politische Wille und jahrzehntelang koordinierte Industriepolitik. Staaten, Banken und Werften arbeiten zusammen, um Kunden den Schiffskauf so einfach und risikoarm wie möglich zu machen.
Wie half die Politik Japan beim Aufbau seiner Schiffbauindustrie?
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die USA japanische Werften für Schiffsreparaturen im Koreakrieg. Das brachte Geld, Erfahrung und neue Fertigkeiten. Zusätzlich unterstützte die Regierung mit direkten Finanzierungsprojekten und Exporthilfen und brachte so einen sich selbst verstärkenden Kreislauf in Gang.
Was ist der wichtigste Hebel der staatlichen Unterstützung?
Der Kaufprozess. Japan bietet Garantien für die Finanzierung von Schiffen und verlagert so das Risiko auf den Staat. Über die Dollarreserven werden Kredite mit niedrigen Zinsen abgesichert – der Staat tritt praktisch als Co-Kreditnehmer auf.
Warum sind staatliche Kreditgarantien so entscheidend?
Der Bau eines Schiffes kostet hunderte Millionen und ist mit hohem Risiko verbunden. Private Banken vergeben solche Summen kaum ohne staatliche Sicherheitsgarantien. Genau dieses politisch ermöglichte Kreditsystem gilt als wichtigster Grund für Japans Marktführerschaft.
Welche Chancen bleiben dem europäischen Schiffbau?
Europa punktet mit Spezialisierung, Innovation und Qualität statt mit Masse und Subventionen. Diese Stärke hängt maßgeblich von qualifizierten Fachkräften ab – ein Bereich, in dem die Vermittlung erfahrener EU-Personals einen entscheidenden Beitrag leistet.
Wie läuft die rechtliche Abwicklung bei entsandtem EU-Personal ab?
Für EU-Bürger gilt volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Wir beantragen A1-Bescheinigungen, stellen AÜG-Konformität sicher und übernehmen die Mindestlohnmeldung beim Zoll – vollständig und ohne Aufwand für Sie.
Benötigen Sie Schiffbau-Subunternehmer auf Werkvertragsbasis statt Leiharbeit? Das übernimmt unsere Schwesterplattform zeitarbeit-international.de.
Ähnliche Themen



